Netflix Aktie Prognose 2022: Unternehmen und Analyse

Netflix Aktie Prognose 2022: Unternehmen und Analyse

In den vergangenen Jahren galt Netflix für viele Anleger nahezu als das Non-Plus-Ultra. Der Kurs kannte scheinbar nur eine Richtung – nach oben. Wer es geschickt anstellte und zudem die richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkte erwischte, konnte hier eine Menge Geld verdienen. Doch vor allem an der Börse hält nichts für ewig. Das bekamen die Investoren der Netflix-Aktie (WKN: 552484, ISIN: US64110L1061) besonders seit Oktober 2021 zu spüren. Innerhalb eines einzigen Jahres verlor der einstige Überflieger mehr als die Hälfte seines Wertes.

Dass es einige angesichts dieser suboptimalen Entwicklung mit der Angst zu tun bekommen haben, verwundert wenig. Hinzu gesellten sich in der jüngsten Vergangenheit Nachrichten wie zum Beispiel der signifikante Rückgang von Abonnentenzahlen, die nicht unbedingt Anlass zur Freude gaben. Nun wird das Unternehmen zeigen können und auch müssen, was wirklich in ihm steckt. Eines jedoch ist schon heute klar – der Turnaround, falls er denn gelingen sollte, wird alles andere als ein Selbstläufer.

FinMent hat hinter die Kulissen des Streaming-Anbieters geblickt und Ihnen die wichtigsten Erkenntnisse nachfolgend zusammengefasst.

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WKN: 552484, ISIN: US64110L1061, Ticker-Symbol: NFLX

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Das Unternehmen in der Kurzübersicht

An Netflix kommen viele mittlerweile gar nicht mehr vorbei. Das im Jahr 1997 gegründete US-amerikanische Unternehmen mit Stammsitz in Los Gatos ist nach eigenen Angaben heute einer der führenden globalen Unterhaltungsdienste. Knapp 222 Millionen zahlende Mitglieder in rund 190 Ländern zählt der Konzern zu seiner Kundschaft. Diese können unter anderem TV-Serien, Dokumentarfilme, Spielfilme und mobile Spiele in einer Vielzahl von Genres und Sprachen genießen.

Laut Aussagen von Netflix haben Abonnenten die Möglichkeit, mit Internetanschluss auf jedem denkbaren Bildschirm und zu jeder Zeit genau das anzusehen, worauf sie gerade Lust haben – ganz ohne Werbung versteht sich. In den Vereinigten Staaten bietet das Unternehmen zudem den sogenannten DVD-by-Mail-Service an.

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Netflix-Filme auf dem Tablet / pixabay

Der heute besonders bekannte Streaming-Dienst wurde bereits im Jahr 2007 eingeführt. Seit damals konnte der Konzern durch das Hinzufügen immer neuer Inhalte ein regelrechtes Ökosystem für internetfähige Bildschirme etablieren. Gemäß Netflix führten diese umfassenden Bemühungen zu einer steigenden Akzeptanz und einem erhöhten Interesse der Verbraucher an der Bereitstellung von Streaming-Unterhaltung.

Als wesentliche Strategie definiert das Unternehmen derweil die globale Zunahme der Streaming-Mitgliederzahlen innerhalb der Parameter der intern ausgegebenen Zielvorgaben, sodass letztlich die Betriebsmargen sukzessive gesteigert werden können. Ferner soll kontinuierlich das Erlebnis für Verbraucher verbessert werden, indem das Leistungsspektrum erweitert und ein bewusster Programm-Mix erreicht wird, der die Mitglieder begeistert und neue Interessenten anzieht. Im Zuge dieses Ziels wurden unter anderem im Jahr 2021 mobile Spiele eingeführt und die Benutzeroberfläche den Anforderungen der Abonnenten angepasst. Übrigens ermöglicht Netflix auch das Herunterladen von Titeln, um diese zu einem anderen Zeitpunkt offline ansehen zu können.

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Netflix Smartphone PlayGame für Android und iOS

Das Geschäftsmodell

Anders als bei vielen Unternehmen ist das Geschäftsmodell von Netflix hauptsächlich auf einer einzigen Säule aufgebaut – den monatlichen Mitgliedsbeiträgen für Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Streaming diverser Inhalte. Dass der Konzern somit wenig diversifiziert ist, kann selbstverständlich auch erhebliche Risiken bergen.

Dies gilt umso mehr mit Blick auf den ohnehin hart umkämpften Markt im Segment der Videounterhaltung. Netflix nennt im Geschäftsbericht als wesentliche Konkurrenten beispielsweise Multichannel Video Programming Distributors (MVPDs), Anbieter von Streaming-Unterhaltung einschließlich solcher, die raubkopierte Inhalte bereitstellen und im weiteren Sinne sämtliche Unterhaltungsquellen, die die Mitglieder in ihrer Freizeit sonst nutzen könnten. Ziel des Unternehmens ist es deshalb, die Verbraucher dazu zu bringen, sich in ihrer freien Zeit für Netflix zu entscheiden. Erreicht werden soll dies unter anderem durch einen sich ständig verbessernden Service, fortschrittlichere Technologie sowie immer exklusiver und kuratierter werdenden Inhalten.

Zum Unternehmen gehören mittlerweile (Stand Dezember 2021) knapp 11300 Vollzeitbeschäftigte, die in mehr als 60 Ländern zum Erfolg des Konzerns beitragen. Rund 76 Prozent des Personals ist in den USA sowie in Kanada angestellt, weitere 12 Prozent entfallen auf Europa, den mittleren Osten sowie Afrika. Fast 8 Prozent der Mitarbeitenden sind dem Gebiet Asien-Pazifik zuzurechnen, während die restlichen 4 Prozent von Lateinamerika aus Netflix unterstützen. Hinzu kommen zahlreiche Beschäftigte im Bereich der Content-Produktion, die nicht selten freiberuflich tätig sind und deren Anzahl somit häufig fluktuiert.

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Netflix-Team LA, USA / Netflix

Was sonst von Relevanz ist

Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, die sich Netflix ebenfalls ausgesetzt beziehungsweise konfrontiert sieht, besteht in der zunehmenden Regulation der gesamten Medienlandschaft sowie der im Internet zur Verfügung gestellten Inhalte. Die rechtlichen Rahmenbedingungen variieren dabei von Land zu Land.

Die staatlichen Vorgaben haben dabei durchaus Einfluss auf Inhaltsquoten, Abgaben sowie Investitionsverpflichtungen. Teils werden sogar die Eigentumsrechte, die Netflix an bestimmten Produktionen hat, eingeschränkt. Insgesamt lässt sich hinsichtlich dieses Aspektes also festhalten, dass sich die umfassenden Vorschriften in einigen Ländern direkt auf die bereitgestellten Inhalte auswirken können, die dann nicht selten beschränkt und zudem teurer sind.

Die einhergehenden Risken des Geschäftsmodells

Wie weiter oben bereits kurz erwähnt, generiert Netflix Einnahmen quasi ausschließlich durch monatliche Zahlungen der Abonnenten. Damit ist das Unternehmen aber schwach gegen etwaige Zahlungsausfälle oder rückläufige Zahlen der Mitglieder gerüstet. Welchen Gefahren sich der Streaming-Anbieter sonst noch stellen muss, ist Inhalt der nachfolgenden Absätze.

Mitliedergewinnung gerät ins Stocken

In den vergangenen Jahren schaffte es Netflix zwar, quasi ein durchgängig hohes Wachstum bezüglich der Abonnentenzahlen zu erreichen. Sollte sich dieser Trend allerdings einmal ins Gegenteil umkehren oder sich zumindest abschwächen, wird dies unmittelbar negative Folgen für die Finanzkennzahlen des Unternehmens haben. Zudem sind die unterschiedlichen Wachstumsraten zu beachten, die sich von Land zu Land teils signifikant unterscheiden können. Tendenziell werden Mitglieder in den bislang weniger durchdrungenen Staaten stärker und mit größerem Erfolg angeworben. Das zukünftige Anziehen und vor allem auch Halten von monatlich zahlenden Abonnenten wird in großem Maße von Netflix‘ Fähigkeit, die Interessenten durch ein einzigartiges Erlebnis an sich zu binden, abhängen.

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Netflix Lounge, Standort Los Angeles / Netflix

Zu diesem Punkt sind noch einige Ergänzungen zu machen. Dazu gehört beispielsweise das Risiko, wonach bestehende Mitglieder auf Anpassungen oder Änderungen der Mitgliedspläne und der fälligen Preise in einer Art und Weise reagieren, die für Netflix selbst suboptimal ist.

Die Akquise neuer Kunden, die alte ersetzen sollen beziehungsweise müssen, könnte dadurch ebenfalls verlangsamt werden. Hinzu kommt, dass die Kosten für ein Abonnement bei Netflix häufig einer der ersten Einsparposten sind, wenn es um die Senkung der Haushaltsausgaben geht.

Nicht zu vergessen ist die Tatsache, dass das Unternehmen bislang noch die Nutzung eines Kontos für mehrere Personen gestattet, sofern dies nicht für kommerzielle Zwecke missbraucht wird. Ohne diesen Umstand gelänge es Netflix möglicherweise besser, neue zahlende Kunden zu gewinnen und dauerhaft zu halten. Dies wiederum dürfte auch einen unmittelbar positiven Einfluss auf die Liquidität und nicht zuletzt die Margen des Unternehmens haben sowie zu einem wesentlich höheren Grad die Fixkosten decken.

Alles in allem erscheint gerade die finanzielle Stabilität auf lange Sicht in diesem Geschäftsfeld als erfolgsentscheidend.

Negative Änderungen des Wettbewerbsangebots für Unterhaltungsvideos

Es wurde bereits kurz angesprochen – der Markt, in dem auch Netflix operiert, ist seit Jahren hart umkämpft. Dabei dürfte sich die Konkurrenz künftig sogar noch weiter verschärfen. Zurückzuführen ist dies vor allem auf die bereits bestehenden und die neu entstehenden Vertriebskanäle, die den unterschiedlichsten Anbietern ermöglichen, mit potenziellen Kunden in Kontakt zu treten.

Zu den dominierenden wirtschaftlichen Modellen, mit denen die jeweiligen Dienstleister um die Gunst des Klientels buhlen, gehören Abonnement-, werbegestützte sowie Piraterie-basierte Ansätze. Insbesondere von letzteren kann für Netflix eine nicht zu unterschätzende Gefahr ausgehen.

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Ein Mann mit Popcorn / pexels

Dabei besticht die Piraterie auf den ersten Blick mit einem ebenso vertrauenswürdigen Angebot wie dem des eigentlichen Originals, das in vielen Fällen zusätzlich aber als völlig kostenfrei deklariert wird. Solche Dienste haben in den vergangenen Jahren einen regen Zulauf erlebt und könnten das Produktspektrum von Netflix somit untergraben.

Doch nicht nur diese Art, die in einigen Zügen an Plagiate erinnert, setzt dem Unternehmen merklich zu. Auch öffentliche Rundfunkanstalten, Kabelnetzbetreiber sowie sonstige E-Commerce-Anbieter scheinen zusehends in den Markt der Unterhaltungsvideos einzudringen und verfügen nicht selten über außergewöhnlich hohe Werbebudgets, um auf sich aufmerksam zu machen.

In diesem Zuge nicht zu vergessen sind der teils umfangreiche Kundenstamm, der überdurchschnittliche Wiedererkennungswert oder die Exklusivrechte an bestimmten Inhalten, die diese Mitstreiter zu ernstzunehmenden Wettbewerbern für Netflix machen. Überdies drücken die oftmals aggressiven Preispolitiken die ohnehin schon vergleichsweise niedrigen Margen weiter nach unten.

Unvorhersehbare Kosten

Netflix gilt in erster Linie als Produzent und Vertreiber von diversem Content und ist in dieser Rolle somit potenziell haftbar für Fahrlässigkeit, Urheberrechts- und Markenrechtsverletzungen. Daneben können solche oder ähnliche Ansprüche gegen den Konzern aufgrund des von Netflix erworbenen, produzierten, lizenzierten oder anderweitig verbreiteten Materials geltend gemacht werden. Die finanziellen Sanktionen solcher Delikte sind im Vornhinein meist schwer zu erahnen.

Etwaige Risiken für den Streaming-Anbieter gehen auch von Dritten aus, mit denen Verträge geschlossen wurden, die ihrerseits aber gegen geltendes Recht verstoßen, insolvent werden oder gar betrügerische Aktivitäten durchführen. Medienrechtlich befindet sich Netflix somit stets auf einem schmalen Grat zwischen Legalität und Graubereichen beziehungsweise Verboten.

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Ein Mann sitzt nachdenklich am Laptop / Netflix

Mangelnde Reputation in den neuen Märkten:

Ein positiver Ruf wird für Netflix vor dem Hintergrund eines sich verschärfenden Wettbewerbs künftig wohl noch essenzieller als bisher werden. Es bedarf demnach überlegter und nachhaltiger Strategien, wie ein Markenname aufgebaut und gehalten werden kann, der in besonderem Maße mit zustimmenden Charakteristika assoziiert wird.

Das Unternehmen muss gleichzeitig eine genaue Auswahl seiner angebotenen Inhalte treffen. Andernfalls könnte in manchen Ländern ein negatives Auffallen gegenüber staatlichen Behörden drohen, die den Content beispielsweise für anstößig oder kontrovers befinden und regulieren lassen. Auch denkbare Boykottmaßnahmen sind diesem Aspekt zuzurechnen.

Alles Wichtige zu den zahlenden Mitgliedern

Die Abonnenten sind in gewisser Weise Netflix‘ Lebensversicherung. Ohne ihre regelmäßigen Beitragszahlungen könnte das Unternehmen nicht überleben. Umso wichtiger ist es deshalb, in diesem Bereich vorzufindende Trends zu analysieren und regelmäßig im Auge zu behalten. Nur so kann der Streaming-Anbieter rechtzeitig auf signifikante Veränderungen bezüglich des Konsumentenverhaltens reagieren und gegebenenfalls sein Leistungsspektrum entsprechend den neuen Anforderungen anpassen.

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Netflix-Filmvorschläge / Netflix

An dieser Stelle empfiehlt sich zunächst ein Blick auf rein quantitative Daten sowie die Marktsituation der ärgsten Konkurrenten von Netflix. Wie eine Statista Global Consumer Survey zwischen Juli 2021 und Juni 2022 herausfand, nutzten innerhalb der betrachteten zwölf Monate rund 72,9 Prozent derjenigen, die für digitale Video-Inhalte bezahlen, auch die Dienste von Netflix. Damit schneidet das Unternehmen zwar deutlich besser ab als der Großteil seiner Konkurrenten in Form von Disney+ (38,7 Prozent), Google Play (10,3 Prozent) oder DAZN (17,5 Prozent). Gleichzeitig wird aber deutlich, dass Prime Video – ein Angebot des Versandriesen Amazon – mit 73,8 Prozent den knappen, ersten Platz innehält.

Parallel erscheint auch eine Betrachtung der weltweiten Streaming-Abonnenten von Netflix sinnvoll. Bis vor kurzem stiegen die Nutzerzahlen rapide und kontinuierlich an, was dem Unternehmen folgerichtig auch höhere Einnahmen generierte. Diese Entwicklung schwächt sich jedoch seit einiger Zeit ab beziehungsweise ist sogar rückläufig. Der vorläufige Höhepunkt wurde im vierten Quartal 2021 erreicht, als der Konzern global gesehen fast 221,8 Millionen zahlende Mitglieder verzeichnete. In den zurückliegenden Monaten aber sanken diese Zahlen, was sich früher oder später direkt in den Finanzergebnissen von Netflix niederschlagen dürfte.

Der Umstand der rückläufigen Abonnenten ist dabei insofern interessant, als dass dieser Parameter innerhalb der letzten Dekade quasi durchgehend nach oben zeigte. Aus dieser Perspektive betrachtet sieht sich Netflix nun mit einem neuen und bislang unbekannten Szenario konfrontiert. Es bleibt abzuwarten, wie sie darauf reagieren.

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Netflix Lounge, Standort Amsterdam / Netflix

Zur Netflix-Nutzerschaft gibt es überdies noch viele wichtige Erkenntnisse, von denen die zentralen Aspekte untenstehend kurz dargestellt werden sollen. Sie ermöglichen auch und gerade für Investoren einen besseren Überblick und eine fundierte Abwägung zwischen positiven und nachteiligen Entwicklungen hinsichtlich der Streaming-Abonnenten. Die folgenden Angaben beziehen sich dabei vorrangig auf den deutschen Markt, der für den Gesamtkonzern allerdings eine eher untergeordnete Rolle spielt.

Besonders vor dem Hintergrund der allgemein stark steigenden Lebenshaltungskosten und dem weiter oben schon einmal erwähnten Punkt, dass etwaige Netflix-Mitgliedschaften bei der Identifikation von Einsparpotenzialen in Haushalten ungewöhnlich stark vertreten sind, erscheint die Analyse des monatlich verfügbaren Nettoeinkommens der Nutzer interessant. Mit einem Anteil von 16 Prozent ist die Gruppe derer, die durchschnittlich finanzielle Ressourcen in Höhe von 500 Euro bis 1000 Euro pro Monat haben, überproportional repräsentiert. Aufgrund dieser eher mageren Mittel könnte Netflix unter Umständen Gefahr laufen, diese bisherigen Kunden zu verlieren, sofern jene ihr Geld künftig besser zusammenhalten müssen, um die anderweitig anfallenden Kosten des täglichen Lebens zu bestreiten.

Auf der anderen Seite offenbart die Altersverteilung, dass rund 26,3 Prozent und somit der größte Teil der Abonnenten hierzulande erst zwischen zwanzig und neunundzwanzig Jahre alt ist. Dies wiederum könnte zu dem Schluss führen, dass die monatlichen Einkommen dieser Gruppe künftig deutlich steigen könnten, sodass der Kostenblock für eine Netflix-Mitgliedschaft dann kaum noch ins Gewicht fällt und die Gefahr einer Kündigung entsprechend geringer ausfällt.

Spannend in diesem Zusammenhang ist zudem die überdurchschnittliche Zustimmung von Netflix-Abonnenten zur Aussage, wonach Tarifvergleichsportale im Internet oftmals genutzt würden, um die besten Preise für Verträge zuhause ausfindig zu machen. Daraus könnte man durchaus folgern, dass die zahlenden Mitglieder preisbewusst sind und auf Änderungen der Kosten seitens Netflix sensibel reagieren würden, was nicht zuletzt Kündigungen miteinschließen könnte. Diesem Ansatz folgend muss sich das Unternehmen bei der Preisgestaltung also an Strategien orientieren, die für die überwiegende Mehrheit mindestens passabel ist. Das allerdings dürfte für Netflix in manchen Fällen auch bedeuten, dass Kompromisse geschlossen werden müssen, die für die Unternehmensfinanzen weniger förderlich sind.

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Los Angeles Team / Netflix

Wie steigert Netflix derzeit die Einnahmen?

Investoren wollen möglichst sprudelnde und vor allem anhaltend hohe Profite sehen. Gerade das konnte der Streaming-Anbieter zuletzt aber nicht mehr bieten. Ein Grund hierfür lag im sogenannten Passwort-Sharing, wobei ein zahlendes Mitglied den Zugang zur Plattform auch anderen Haushalten zur Verfügung stellen konnte, ohne dass dafür zusätzliche Kosten anfielen. Um der damit verbundenen Entwicklung schwindender Abonnentenenzahlen zuvorzukommen, erhebt Netflix seit kurzem eine Sondergebühr für geteilte Konten.

Darüber hinaus wurde zusätzlich das kostengünstigere Werbe-Abo eingeführt, das ebenfalls Zugang zu Filmen, Serien und Co bietet, aufgrund der regelmäßigen Werbeeinblendungen, die für Netflix wiederum eine zusätzliche Einnahmequelle darstellen, allerdings niedrigere Monatsbeiträge verursacht. Außerdem stehen nun nicht immer sämtliche Folgen einer Serie sofort zur Verfügung (Binge-Watching). Stattdessen werden diese über mehrere Wochen gestreckt oder in zwei Teilen veröffentlicht, wie es etwa bei „Stranger Things“ der Fall war. Dadurch soll eine direkte Kündigung nach dem Probemonat beziehungsweise dem Ansehen der gesamten Serie verhindert werden.

Die fünf größten Aktionäre der Netflix-Aktie:

  • The Vanguard Group, Inc. – 7,37%
  • SSgA Funds Management, Inc. – 3,88%
  • Capital Research & Management Co. (Global Investors) – 3,35%
  • Capital Research & Management Co. (International Investors) – 3,10%
  • Fidelity Management & Research Co. LLC – 2,88%

Die jüngsten Quartalszahlen sind da

Sie wurden bereits mit großer Spannung erwartet, nun sind sie vor kurzem veröffentlicht worden. Die Rede ist natürlich von den Finanzergebnissen des dritten Quartals 2022. So viel vorneweg – Netflix konnte hier tatsächlich überzeugen.

Zunächst einmal ein allgemeiner Blick auf die wichtigsten Parameter. So weist der Medienkontern in der GuV beispielsweise ein akzeptables Umsatzwachstum von etwa 5,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus. Die Einnahmen belaufen sich in absoluten Zahlen ausgedrückt somit auf mehr als 7,92 Milliarden US-Dollar. In puncto Nettogewinn muss Netflix jedoch etwas Federn lassen und verliert hier gut 3,6 Prozent verglichen mit dem dritten Quartal 2021. Unterm Strich steht damit ein Profit von dennoch ordentlichen 1,39 Milliarden US-Dollar. Das Ergebnis ist vor allem auf höhere Umsatzkosten zurückzuführen, die gegenüber dem dritten Quartal 2021 um immerhin 13,8 Prozent zulegten.

Die Netflix-Aktie legte trotz des leicht rückläufigen Gewinns in den zurückliegenden Tagen deutlich an Wert zu. Nach der Verkündung der Quartalszahlen machte der Titel beispielsweise einen signifikanten Sprung von rund 243 Euro je Anteil auf dann über 276 Euro pro Aktie. Der aufwärtsstrebende Trend konnte sich auch danach gut behaupten, sodass sich das Plus der vergangenen fünf Handelstage auf mittlerweile satte 18 Prozent beläuft. Das allerdings kommt nicht von ungefähr.

Maßgeblich verantwortlich für diesen bedeutsamen Kursanstieg dürfte das Übertreffen der Prognosen gewesen sein. Für das dritte Quartal 2022 ging der Großteil der Analysten von einem EPS in Höhe von 2,17 US-Dollar  aus. Diese Einschätzung konnte jedoch um rund 42,8 Prozent auf tatsächliche 3,10 US-Dollar überragt werden. Der Ertrag fiel letztlich um 1,05 Prozent höher als die Erwartungen der Experten aus. Schon in den vorherigen Quartalen schaffte es Netflix bezüglich des EPS, die vorher getroffenen Annahmen teils deutlich zu sprengen.

Bei allem Optimismus sollte aber nicht der Ausblick auf das kommende vierte Quartal vergessen werden. Schon hier dämpft das Unternehmen die Erwartungen wieder etwas ein. Unter anderem dürfte der Umsatz im letzten Jahresviertel ersten Berechnungen zufolge um etwa 1,9 Prozent abnehmen, auch die Betriebsergebnismarge könnte spürbare Rücksetzer auf nur noch 4,2 Prozent anstelle der gegenwärtigen 19,3 Prozent verzeichnen.

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Netflix Lounge, Standort London / Netflix

Richtig in Tech Aktien wie Netflix investieren: So geht’s …

Netflix Aktie: Basisdaten

Fazit und Prognose zur Netflix Aktie

Dank der insgesamt recht überraschend positiven Quartalszahlen schaffte die Netflix Aktie (WKN: 552484, ISIN: US64110L1061)  an der Börse zuletzt zumindest einen kurzzeitigen Turnaround. Die längerfristige Wiederaufwertung des zuvor in Ungnade gefallenen Titels wird aber in hohem Maße davon abhängen, wie es dem Unterhaltungsanbieter gelingt, in den kommenden Quartalen zu wirtschaften und sich dabei gegen die zunehmende Konkurrenz zu wappnen. Abschließend empfiehlt sich noch ein Blick auf die Analystenmeinungen.

Gerade diese sind momentan teils sehr unterschiedlich und decken eine vergleichsweise große Preisspanne ab. Die Einschätzungen der wichtigsten Broker beziehungsweise Banken seien deshalb exemplarisch untenstehend aufgeführt (Stand 23.10.2022):

Die Schweizer Großbank UBS stuft die Papiere des Medienkonzerns gegenwärtig mit Hold sowie einem Kursziel von 250 US-Dollar je Anteil ein – damit bestünde aktuell ein Abwärtsrisiko von knapp 13,6 Prozent. Ähnlich bescheiden sehen das auch Jefferies sowie Barclays mit Prognosen von ebenfalls 250 US-Dollar beziehungsweise nur 235 US-Dollar pro Aktie.

Besonders negativ eingestellt ist aber die US-Investmentbank Goldman Sachs, die mit ihrem am 11 Oktober veröffentlichten Sell-Rating und einem mageren Kursziel von gerade einmal 182 US-Dollar je Anteilsschein auf ein potenzielles Abwärtsrisiko in Höhe von satten 37,1 Prozent abzielt.

Auf der anderen Seite gibt es aber natürlich auch die positiv gestimmten Akteure, hier allen voran Morgan Stanley mit einer Hold-Einstufung sowie einem Kursziel von sehr optimistischen 450 US-Dollar. Dazu muss man allerdings anmerken, dass dieses Urteil bereits aus dem Januar stammt und seitdem keine Aktualisierung mehr erfahren hat.

Zum Kauf raten übrigens auch die Deutsche Bank sowie JP Morgan Chase, die ein Niveau von 350 US-Dollar beziehungsweise von 330 US-Dollar pro Aktie für realistisch halten.

Selbstverständlich können die Analystenmeinungen nur ein Teil des Gesamtbildes sein und sollten daher nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage herangezogen werden. Ebenfalls zu berücksichtigen sind zum Beispiel die in dieser Analyse aufgezeigten Risikoaspekte oder die Erläuterungen zu den Netflix-Mitgliedern.

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Hauptbildquelle: Netflix

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