Evergrande-Aktie: Unternehmen, Kurs und jüngste Entwicklungen
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Evergrande-Aktie: Unternehmen, Kurs und jüngste Entwicklungen

Die chinesische Evergrande Group mit Hauptsitz in Shenzen ist hinsichtlich Umsatz das zweitgrößte Immobilienunternehmen im Reich der Mitte. Evergrande entwickelt und verkauft Wohnungen und richtet sein Angebot in erster Linie an Kunden mittlerer und höherer Einkommen. Die Evergrande Group ist Mitte des Jahres durch seine drohende Insolvenz in die Schlagzeilen geraten. Die Verschuldung des Immobilienkonzerns beträgt umgerechnet über 300 Milliarden US-Dollar. Die Zukunft der Zahlungsfähigkeit des Unternehmens sehen Beobachter weiter mit Skepsis. Die Hongkonger Börse reagierte unmittelbar auf die drohende Pleite mit dem Einbruch der Evergrande-Aktie und befindet sich seitdem im Abwärtstrend, der Hang-Seng-Index viel auf den tiefsten Stand seit Oktober 2020. Ratingagenturen wie S&P rechneten bereits vermehrt damit, dass Evergrande insolvent sein wird. So wird bereits vom „Lehman Moment“ gesprochen, der 2008 für Angst an den Börsen sorgte und damals die Finanzkrise einleitete. Es folgte der Zusammenbruch des Immobilienmarktes und die Wirtschaft schlitterte in die Krise. Der volatile Kurs der Evergrande-Aktie ist daher insbesondere vor dem Hintergrund ganz aktueller Entwicklungen und Entscheidungen zu beobachten.

Evergrande Aktie: Kennziffern und Symbole

WKN: A2APDK, ISIN: KYG2119W1069, Ticker-Symbol: EV1

Evergrande Aktie Kurs

Evergrande: ein chinesischer Immobilienriese im Überblick

Die Evergrande Group ist auch als China Evergrande Real Estate Group bekannt und firmierte vormals unter dem Namen Hengda Group. Nach dem Konkurrenten Country Garden ist Evergrande der zweitgrößte Immobilienkonzern des chinesischen Festlands.

Gegenwärtig bedient Evergrande Immobilienprojekte in 22 Städten. Der Konzern besitzt mehr als 45,8 Millionen Quadratmeter an Entwicklungsland und kauft auf Kredit immer neues Land, um weitere Projekte in China realisieren. Zum Portfolio des Unternehmens gehört unter anderem die Planung und Entwicklung einiger der höchsten Wolkenkratzer der Erde.

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In den Jahren von 2018 bis 2021 handelte es sich bei Evergrande um das weltweit wertvollste Immobilienunternehmen. In der Liste Forbes Global 2000 der größten Unternehmen der Welt befand sich Evergrande im Jahr 2019 auf Platz 94. Ebenso gehörte Evergrande zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen.

Neben dem Immobiliengeschäft betreibt Evergrande eine eigene Marke für Mineralwasser. Diese trägt den Namen Evergrande Spring. Ebenso betreibt Evergrande eine Schule für Fußballlehrer.

Eine Tochtergesellschaft der Evergrande Group ist Evergrande Health. Dieses börsennotierte Unternehmen ist gleichzeitig der Hauptanteilseigner von Faraday Future, einem Start-up in der Elektromobilitäts-Branche. An Faraday Future erwarb die Evergrande Health 45 Prozent der Anteile für umgerechnet 2 Milliarden US-Dollar.

Entwicklungsgeschichte der Evergrande Group

Gründer der ursprünglichen Hengda-Gruppe ist Xu Jiayin. Dieser rief das Unternehmen 1996 in der Stadt Guangzhou ins Leben. Im Jahr 2009 erfolgte der Börsengang des Unternehmens. Mit einem Wert von von 722 Millionen US-Dollar wurde der Immobilienriese an der Börse Hongkong gelistet.

Im Jahr 2010 erwarb die Evergrande Group den Guangzhou Football Club. Die Gruppe investierte in diesen Fußballverein, der anschließend zu einem der erfolgreichsten Vereine Chinas aufstieg. Vorläufiger Höhepunkt war der Sieg in der AFC Champions League im Jahr 2013. Diesen Erfolg konnte der von Evergrande unterstützte Club 2015 wiederholen. Gründer Xu Jiayin entwickelte sich zu den reichsten Personen Chinas. 2019 betrug sein Vermögen umgerechnet 34 Milliarden US-Dollar.

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Weitere Geschäftsfelder neben Immobilien

Ähnlich wie viele andere chinesische Immobilienkonzerne (zum Beispiel Dalian Wanda) ist Evergrande seit einigen Jahren in weitere Geschäftsbereiche unabhängig vom Immobilienmarkt investiert. Dazu gehören sehr verschiedenartige Geschäftsfelder, darunter Photovoltaik-Anlagen, Landwirtschaft (Schweinezucht) sowie Babynahrung. Im Jahr 2019 stieg Evergrande beim Elektrofahrzeug-Hersteller NEVS ein. Zunächst erwarb Evergrande mit 51 Prozent die Mehrheit der Anteile, ehe Evergrande im Jahr 2020 das Unternehmen vollständig aufkaufte.

Verschärfte Schwierigkeiten seit Mitte 2021

Mitte 2021 warnte der Immobilien-Konzern davor, in „beispiellosen Schwierigkeiten“ zu stecken. Bislang wurden Spekulationen dementiert, Evergrande sei insolvent oder insolvenzbedroht. Im September 2021 senkte die Rating-Agentur Fitch die Langzeit-Bewertung des Immobilienriesen auf CC (davor CCC+). Gründe hierfür sind die anhaltend enorme Verschuldung sowie Angst vor drohenden Zahlungsausfällen.

Die Nachrichten um eine drohende Insolvenz der Evergrande Group sorgten nicht nur für einen steilen Kurseinbruch der Evergrande-Aktie, sondern brachte Finanzmärkte weltweit in größere Bedrängnis.

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Verschuldung und Bonität

Insgesamt handelt es sich bei Evergrande um Schulden in Höhe von umgerechnet über 300 Milliarden Dollar. Zu den Gläubigern gehören Zulieferer, Banken, Anleihengläubiger sowie zahlreiche Kleinanleger, darunter auch Mitarbeiter des Unternehmens.

Die Nachrichten über die Liquiditätsrisiken Evergrandes wurden spätestens am 14. September bekannt. Die Firma warnte vor den Auswirkungen des massiven Rückgangs seiner Immobilienverkäufe. Im Rahmen mehrerer Gespräche mit potenziellen Investoren versuchte Evergrande, einen Teil seiner Vermögenswerte zu veräußern, ohne jedoch nennenswerte Fortschritte zu verbuchen. Im Zuge dessen kam es bereits vor dem Unternehmenssitz im chinesischen Shenzhen zu Protesten. Bisherigen Medienberichten zufolge ist es unwahrscheinlich, dass der Konzern auf Regierungsunterstützung setzen könne, wenn Evergrande insolvent zu werden droht. Nach der chinesischen „Global Times“ fehlt es dem Unternehmen diesbezüglich an Systemrelevanz.

Jüngste Entwicklungen: Ausstieg des zweitgrößten Anteilseigners

Einer der wesentlichen Aktionäre der Evergrande Gruppe hat nach Informationen des Handelsblatts seinen Ausstieg aus dem Unternehmen angekündigt. Mit der Chinese Estates Holdings verliert die Evergrande den zweitgrößten Aktionär. Wie Chinese Estates Holdings bekannt gab, sind bereits jetzt Anteile im Gesamtwert von 32 Millionen Dollar verkauft worden. Das Unternehmen will sich später komplett von der Evergrande-Aktie trennen. Das entsprechende Verkaufsmandat der Chinese Estates Holdings hat für 12 Monate Geltung mit Wirkung ab dem Datum der Aktionärsversammlung von 23. September 2021. Im Rahmen dieser soll dem Verkauf zugestimmt werden.

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Unsicherheit um eine Offshore-Anleihe

Ein weiterer Faktor, der bezüglich der Evergrande-Aktie auf den Finanzmärkten für Unsicherheit sorgt, sind die bisher fehlenden Angaben zu einer in US-Dollar gehandelten Offshore-Anleihe. Der Finanzdienst Bloomberg berechnete, dass für Evergrande hierfür am 23. September eine Zinszahlung in Höhe von 83,5 Millionen US-Dollar ansteht. Eine weitere Zinszahlung steht am 29. September an und beläuft sich auf 47,5 Millionen US-Dollar. Wie Bloomberg berichtet, gilt im Hinblick auf beide Zinszahlungen eine Grace Period (Gnadenfrist) von 30 Tagen. Dies sorgt für etwas Zeit und Erholung für das Unternehmen und die Evergrande-Aktie, um den Verbindlichkeiten nachzukommen.

Vorbereitung der Behörden auf den Zusammenbruch

Im Zusammenhang mit der drohenden Insolvenz sind auch die chinesischen Behörden sowie der chinesische Staat im Blick. Lokalregierungen werden bereits angewiesen, sich auf einen Kollaps des Immobilienriesen vorzubereiten. Unter Berufung auf Regierungsmitarbeiter berichtet das Wall Street Journal, dass sich Lokalbehörden auf einen Zusammenbruch vorbereiten. Die Anweisung wird in erster Linie als Hinweis gedeutet, dass die chinesische Regierung keine Rettungsabsichten gegenüber Evergrande hat.

Die Anweisungen an die lokalen Behörden beziehen sich darauf, Ordnungskräfte zu rekrutieren, damit etwaige gesellschaftliche Unruhen unter Kontrolle gehalten werden können. Überdies sollen verschiedene lokale private und staatliche Unternehmen aus dem Immobiliensektor bereitstehen, um sich den gescheiterten Evergrande-Projekten zu widmen.

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Entwicklung der Evergrande-Aktie

Nach dem Börsengang im Jahr 2009 verzeichnete die Evergrande-Aktie zunächst langfristig einen beachtlichen Anstieg an den Börsen. Dieser fand im Oktober 2017 seinen bisherigen historischen Höhepunkt. Seitdem ist das Kurshoch nicht wieder erreicht worden. Es lässt sich ein langfristiger Abwärtstrend beobachten. Dieser ist immer wieder durch zum Teil enorme Kurskorrekturen abgefedert worden, hält jedoch bis heute an.

Zu einem verschärften Kursrutsch kam es insbesondere seit 2021. Im Zuge der Zahlungskrise ist der Kurs innerhalb von fünf Monaten um etwa 95 Prozent gefallen (vom 16. April bis zum 17. September). Am 20. September kam es erneut zu einem Kursrutsch um weitere 19 Prozent. Damit fiel die Evergrade-Aktie auf ihren niedrigsten Stand seit mehr als 11 Jahren (Mai 2010).

Kurzfristige Erholung?

Den Befürchtungen um Zahlungsausfälle zum Trotze konnte der Kursrutsch zum Handelsauftakt des Donnerstags (23. September) jedoch deutlich korrigiert werden: die Evergrande-Aktie legte zunächst um mehr als 30 Prozent zu. Der Kurs ließ im weiteren Verlauf des Handelstages etwas nach, befindet sich jedoch noch immer zweistellig im Plus gegenüber dem vorherigen Handelstag. Die Evergrande-Aktie beendete den Handelstag mit einem Kurs von 2,67 Hongkong-Dollar, gegenüber einem Schlusskurs 2,27 Hongkong-Dollar am Dienstag. Mittwochs ruht der Handel an der Hongkong Stock Exchange.

Die Erholung der Evergrande-Aktie ist Beobachtern zufolge eine Reaktion der Anleger auf die Ankündigung des Vortages, dass sich das Unternehmen etwas Zeit hinsichtlich der Rückzahlungspflichten fälliger Anleihen verschafft hat. Zu beachten ist, dass sich an der grundsätzlich schlechten Lage des Unternehmens nichts geändert hat und eine Insolvenz längst nicht abgewendet ist.

Evergrande Aktie: Basisdaten

Mögliche Auswirkungen der Evergrande-Krise

Der Kursverfall der Evergrande-Aktie sowie die weiter bestehende Insolvenzgefahr markiert eine Krise, die als stellvertretend für die Immobilienbranche Chinas betrachtet werden kann. Während der Immobiliensektor in China lange boomte, sind zahlreiche Konzerte inzwischen tief in den Schulden. Der Immobiliensektor entspricht in China etwa einem Viertel des gesamten Bruttoinlandsprodukts. Die Geschäfte in diesem Sektor sind zu hohen Anteilen fremdfinanziert. Gleichzeitig steht die chinesische Regierung unter Präsident Xi Jinping dem kreditfinanzierten Wachstum skeptisch gegenüber. Eine Weigerung, den angeschlagenen Immobilienkonzern staatlich zu retten, könnte sich als beispielhaft für den Umgang mit dem sonstigen chinesischen Immobiliensektor erweisen.

Bildquelle(n): Evergrande

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